Nachrufe

Helmut Queisser

Der Heimatkreisverband Leitmeritz e.V. musste am 27. August 2012 Abschied nehmen von Helmut Queisser.

Helmut Queisser wurde am 11. Oktober 1923 in Leitmeritz geboren.

Nach der Lehre als Gärtner wurde er am 7. Oktober 1941 zum Kriegsdienst einberufen. Als Soldat wurde er zweimal verwundet, so dass er berufsunfähig wurde. Nach der Rückkehr in die Heimat musste er ein Jahr im Gefängnis in Leitmeritz verbringen.

Bei der Vertreibung der Deutschen aus Stadt und Kreis Leitmeritz wurde er mit einer verantwortungsvollen Aufgabe betraut. Er war Transportführer des Transportes aus Leitmeritz mit 1200 Personen, der vor 66 Jahren, Anfang September 1946, nach Fulda kam.

Der neue Start begann mit dem Studium der Gartenbautechnik in Baden-Baden, das er 1949 abschloss. Es folgte eine Tätigkeit als Technischer Leiter in der Versuchsstation der Chemischen Werke Albert in Wiesbaden. Nach der Rückkehr nach Fulda begann er eine neue berufliche Laufbahn als Baustoffhändler. Er spezialisierte sich dann auf die Herstellung und Lieferung von Transportbeton.

Helmut Queisser hat sich auf vielen Gebieten ehrenamtlich engagiert: auf der beruflichen Ebene, in Sport- und Wandervereinen, usw.

Helmut Queisser hat 4 Jahre lang von 1988 bis 1991, das waren die ersten Jahre nach der Verlegung des Vereinssitzes von München in die Patenstadt Fulda, die Geschicke des Verbandes als Vorsitzender maßgeblich beeinflusst. In dieser Zeit hat sich der Verein eine neue Satzung gegeben.

Davor war er bereits im Heimatkreisrat tätig, zunächst seit 1983 als Kassenwart und seit 1985 als Heimatkreisbetreuer. Für die Vorbereitung und Durchführung der alle 2 Jahre stattfindenden Heimattreffen hat er sich mit voller Kraft eingesetzt. Seine Funktionen als Vorsitzender des Heimatkreisverbandes Leitmeritz und als Heimatkreisbetreuer für den Heimatkreis Leitmeritz hat er 1991 an seine Nachfolger übergeben.

Am 30 Juli 2012 ist er in Fulda, fern seiner geliebten Heimat, verstorben und wurde am 27. August 2012 auf dem Städtischen Zentralfriedhof in Fulda begraben.

Wir danken Helmut Queisser für seine aufopferungsvolle Arbeit für die Sache der Heimat.

 

Wilhelm Schöbel

Am 21. November 2011 ist plötzlich und unerwartet unser langjähriger Vorsitzender Wilhelm Schöbel im Alter von 85 Jahren in Fulda verstorben.

Wilhelm Schöbel wurde am 9. September 1926 in Trebnitz, Kreis Leitmeritz, geboren. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft kam er 1947 nach Fulda, wohin seine Eltern ausgesiedelt worden waren. Hier stellte er sich von Anfang an in den Dienst seiner Landsleute. So war er bereits von 1951 bis 1965 der Kreisführer der Deutschen Jugend des Ostens (DJO), der Jugendorganisation, in der sich die heimatvertriebenen und geflüchteten Jugendlichen organisiert hatten. Am Bau des DJO-Heimes an der Fuldaer Ochsenwiese im Jahre 1953 war er maßgeblich beteiligt. Er betreute dieses Heim, das als Verbandsheim des BdV und der Landsmannschaften in Fulda nicht mehr wegzudenken ist, bis zuletzt mit großem Engagement. Wilhelm Schöbel war bereits 1951 Vorstandsmitglied der Kreisgruppe Fulda-Stadt der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) und des BVD/BdV-Kreisverbandes Fulda-Stadt. Seit 1971 war er Kreisobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Kreisgruppe Fulda-Land, und nach dem Zusammenschluss der beiden Kreisgruppen deren Kreisobmann. Im Jahre 1974 übernahm er auch den Vorsitz der Heimatgruppe Leitmeritz in der SL Fulda. Vielen Landsleuten aus dieser Gruppe werden die jahrelang durchgeführten sogenannten „Fahrten ins Blaue“ am 1. Mai bzw. am Sonntag nach dem Feiertag in guter Erinnerung sein.

Wilhelm Schöbel war vor allem die Basisarbeit ein Herzensanliegen. So bemühte er sich intensiv um Mitgliederwerbung, Volksgruppenabgabe, organisierte Fahrten zu den Sudetendeutschen Tagen, Gedenkveranstaltungen zum 4. März 1919, Adventsfeiern und vieles mehr. Seit Jahren erfreuen sich die Veranstaltungen unter dem Titel „Heimatliche Volksmusik im Advent“ großer Beliebtheit. An der Vorbereitung und Durchführung der beiden SL-Landestreffen in Fulda (1985 und 1995) war er maßgeblich beteiligt. Für seine hervorragenden Verdienste erhielt er 1995 die Lodgman-Plakette der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Auch im Bund der Vertriebenen (BdV) trug unser Landsmann Verantwortung. So war er seit 1978 stellvertretender Kreisvorsitzender des Kreisverbandes Fulda. Seine besonderen Verdienste wurden 1987 mit der Verleihung der Silbernen Ehrennadel des BdV-Bundesverbandes gewürdigt.

Für den Heimatkreis Leitmeritz war Wilhelm Schöbel sehr lange tätig. Nach langer Mitwirkung im Heimatkreisrat übernahm er 1987 Aufgaben im Vorstand des Heimatkreisverbandes Leitmeritz, zunächst für vier Jahre als stellvertretender Vorsitzender. 1991 trat er die Nachfolge von Helmut Queisser an. In die Arbeit mit dem Heimatkreisverband hat er neben seinen anderen ehrenamtlichen Aufgaben in der Sudetendeutschen Landsmannschaft und im Bund der Vertriebenen sein ganzes Herzblut gelegt. Viele Jahre lang hat er in der Geschäftsstelle, dem Archiv und Museum so viel Zeit verbracht, als ob er da hauptberuflich angestellt gewesen wäre.

Auch für die Vorbereitung und Durchführung der alle 2 Jahre stattfindenden Heimattreffen hat er sich mit voller Kraft eingesetzt. In diesen ersten Jahren nach der Wende gab es eine starke Zunahme in den Teilnehmerzahlen, weil erstmals die Landsleute aus der früheren DDR ohne Tricks zu den Treffen nach Fulda kommen konnten.

Auch an der Begründung der Städtepartnerschaft zwischen der Stadt Fulda und der jetzigen Stadt Leitmeritz im August 2001 und die Gründung des Freundeskreises Fulda-Leitmeritz/Litoměřice im darauffolgenden Jahr war Wilhelm Schöbel maßgeblich beteiligt. Das ist im nächsten Jahr mit der Verleihung des von Heinz Waider gestifteten Winfriedpreises gewürdigt worden. In seiner Dankrede nach der Preisverleihung wies er vor allem auf die in die Zukunft gerichtete Arbeit dieses Vereins hin, damit alte Ressentiments zugunsten eines Neubeginns der Menschen guten Willens überwunden werden können,

In dem in der Fuldaer Zeitung am 25. November 2011 veröffentlichten Nachruf der Stadt Fulda bezeichnete Oberbürgermeister Gerhard Möller das ehrenamtliche Engagement von Wilhelm Schöbel als außergewöhnlich.

Eine der letzten wichtigen Tätigkeiten vor der Übergabe des Vorsitzes an seinen Nachfolger Horst Geppert im Jahre 2007 waren die Vorbereitung der Renovierung der Räume der Geschäftsstelle, des Archivs und der Bibliothek. Auch die Digitalisierung des Archivbestandes wurde noch in seiner Amtszeit begonnen.

Um sein Tun zu charakterisieren, zitiere ich aus seiner Abschiedsrede anlässlich des Heimattreffens 2007: „Meine Arbeit stand immer unter dem Vorzeichen, stets der Heimat, den Menschen und letztlich der Erinnerung an die deutsche, die sudetendeutsche Zeit in Stadt und Kreis Leitmeritz, und meinem engeren Heimatort Trebnitz zu dienen“.

Aufgrund seines vielfältigen Engagements erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland. Die Stadt Fulda ehrte ihn mit der Ferdinand-Braun-Medaille.

Abschließend noch ein Auszug aus der Würdigung der Stadt Fulda:

„Wilhelm Schöbel war ein Mann, der es verstand, Menschen zusammen zu bringen, Netzwerke, vor allem aber Brücken zu bauen – nicht zuletzt zu unseren tschechischen Nachbarn“, würdigte Möller das Werk des Verstorbenen. Profilierte Persönlichkeiten wie er „sind nachahmenswerte Vorbilder.“ Schöbel habe in den frühen Jahren auch wertvolle Integrationsarbeit geleistet bei der Eingliederung der Heimatvertriebenen. Angesichts all seiner Verdienste werde die Stadt dem Verstorbenen stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Der Vorstand, die Mitglieder und die Mitarbeiter/innen des Heimatkreisverbandes Leitmeritz e.V. danken Wilhelm Schöbel für seine aufopferungsvolle Arbeit für die Sache der Heimat.

In seinem Sinne weiterzuarbeiten, ist uns allen eine Verpflichtung.

Rudolf Bauer

 

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